Vereinsgeschichte

135 Jahre Rudern auf der Treptower Spree

Baumschulenweg ist einer der ältesten Ruderstandorte in Deutschland. Der Standort Baumschulenweg hat im Laufe seiner Geschichte vielen Namen getragen:

  1. Rudervereinigung “All Right” um 1879
  2. Rudervereinigung Berolina
  3. Kommunale Sportgruppe Baumschulenweg
  4. Wassersportvereinigung Vorwärts Baumschulenweg
  5. Motor Treptow – BSG VEB Elektro Apparate Werke Berlin-Treptow
  6. TSV 1949 Abt. Rudern
  7. Treptower Rudergemeinschaft e.V.

130 Jahre Standort Baumschulenweg – Jubiläums-Sternfahrt am 4. Juli 2009

Im Jahr 2009 wurde das 130-Jährige Jubiläum des Ruderstandort gebührend gefeiert. Zum Festakt wurde die Jubiläumsfestschrift mit der ausführlichen Vereinsgeschichte auf 51 Seiten veröffentlicht. Anlässlich des Jubiläums wurde zudem die Festschrift des 50. Jubiläums von 1929 (damals Berolina e.V.) als Nachdruck aufgelegt. In altertümlich schöner Sprache kann man erfahren, wie grausam ein Krieg auch in das Alltagsleben der Menschen eingreift und das ansonsten die Probleme eines Sportvereins doch irgendwie immer dieselben waren.

Der organisierte Rudersport an Spree und Dahme

Im Jahr 2013 stellte Dieter Wendt, Ehrenmitglied der Treptower Rudergemeinschaft das Werk “Der organisierte Rudersport an Spree und Dahme in Berlin 1945-1990” fertig, dass die Geschichte des Rudersports in Ost-Berlin ausführlich beschreibt. Nachfolgend das Vorwort von Carl-Friedrich Ratz:

Dieter Wendt, ehemaliger internationaler Schiedsrichter, Ehrenmitglied der Treptower Rudergemeinschaft e.V., Berlin und Träger der goldenen Ehrennadel des Landesruderverbandes Berlin beschreibt in diesem Werk die Entwicklung des Rudersports und der Bootshäuser in Berlin-Ost im Zeitraum von 1945 bis 1990. Für alle interessierten ein Überblick über die vielen Ruderstandorte vor dem zweiten Weltkrieg mit den heutigen Adressen, den Neubeginn nach 1945 in Berlin-Ost, die Teilung Berlins in Ost-West, Mauerbau, Aufstieg der DDR zur führenden Rudernation bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften nebst dessen „Auswirkungen“ auf die Vereine, Strukturen und Breitensport im Ostteil unserer Stadt.

Begründung des Ruderstandortes Berlin-Baumschulenweg (1879 – 1945)

Bootshaus um 1900

Aus der 1879 gegründeten Ruder-Gesellschaft “All Right” wird am 27.08.1886 der Ruder-Club “Berolina”. Bereits 1891 konnte die Berolina am Ende des Rummelsburger Sees ein kleines Bootshaus mit ausreichender Bootshalle und einem Clubraum einweihen.

Der Verein betätigt sich fast ausschließlich im Bereich Wander- und Fahrtenrudern. Im Kriegsjahr 1914 beschließt der Verein einen Neubau eines Vereinshauses im damaligen Plänterwald an der Spree (das heutige Bootshaus der Treptower Rudergemeinschaft in der Neuen Krugallee 219 – 231, Berlin-Baumschulenweg).

Das neue Boothaus, Pfingsten 1930

Man muss sich vergegenwärtigen, wie groß damals das Vertrauen auf die eigene Kraft gewesen sein muss, wenn mit einer verhältnismäßig geringen Mitgliederzahl von 4 Ehren-, 47 aktiven- und 24 unterstützenden Mitgliedern ein Projekt in Angriff genommen wurde, das weit über die Grenzen des alltäglichen hinausragte und was bis heute die Basis für die Ruderei in Berlin-Baumschulenweg darstellt.

Herausragende Sportliche Leistungen in den “Golden Twenties” waren die Höchstleistungen im Fahrtenrudern innerhalb der “Deutschen Ruderei” (Durchschnittliche Ruderleistung über alle Mitglieder/Jahr 1925: 1.752 km; 1926 2.017 km; 1927: 2.485 km. In den Jahren 1929 bis 1932 wurde 4 mal der Herausforderungspreis des preußischen Ministeriums gewonnen (mit Vereinsdurschnittskilometerleistungen von 1.786 bis 2.276 km).

Während des 2. Weltkrieges (1939-1945) wurden viele Bootshäuser auf Stralau, am Rummelsburger See, Wilhelmsstrand und in Baumschulenweg zerstört (u.a. RC Hellas, BRC Teutonia, BRC Favorite, Hansa-Union Ruderklub, Ruderverein “Vorwärts”, Treptower Ruder-Club und Märkischer Ruderverein). Der Treptower Ruder-Club und der Märkische Ruderverein waren dabei direkte Nachbarn des RC Berolina. Das Bootshaus des RC Berolina kam dabei noch relativ ungeschoren davon. Das Obergeschoss des Bootshauses wurde zerstört und nach dem Zusammenbruch im April 1945 geplündert.

Die Nachkriegszeit und die DDR (1945 – 1989)

Eine unserer Wurzeln.

Auf Beschluss des Alliierten Kontrollrates wurden 1945 alle Berliner Sportvereine aufgelöst. Bis zum Herbst 1945 waren Flüchtlinge im Bootshaus untergebracht. Ab Herbst 1945 begannen ehemalige Mitglieder des RC Berolina und des RV Vorwärts eine Rudergruppe aufzubauen, die ab 1946 unter der Bezeichnung Kommunale Sportgruppe Baumschulenweg firmierte. Ab 1947 starteten wieder Ruderer bei Regatten in Berlin-Grünau und ab 1948 wurden wieder mehrtägige Wanderfahrten unternommen. Im Jahr 1949 konnten wieder ein eigenständiger Sportverein gegründet werden, die Rudersparte nannte sich Wassersportvereinigung Vorwärts Baumschulenweg.

Wappen

Dem Verein war jedoch kein langes Dasein beschieden. Auf Beschluss der SED wurde das Bootshaus der Wassersportvereinigung entzogen und der neu gegründeten Betriebssportgemeinschaft VEB Elektro-Apparate-Werke Treptow (BSG) zur Nutzung übertragen. Ein Teil der ehemaligen Mitglieder schloss sich der BSG an, ein anderer Teil wanderte nach Berlin-Spandau (Wiedergründung RV Vorwärts), andere zogen auf das Gelände der Siedlergemeinschaft Klein-Köris und gründeten später die Rudergruppe Sparta Klein-Köris. Ab 1951 firmierte der Verein unter dem Namen BSG Motor Treptow und hatte sowohl im Wanderrudern als auch im Rennrudern bis Mitte der 50′er Jahre große Erfolge zu verzeichnen. Mitte der fünfziger Jahre brachte die Gründung der finanziell stark geförderten “Ruderschwerpunkte”, Vorläufer der späteren Sportklubs, einen tiefen Einschnitt im Bereich des Wettkampfruderns. Viele Rennruderer wechselten zu den Sportclubs.

Der Verein betätigte sich bis Anfang der sechziger Jahre verstärkt im Bereich des Wanderruderns (1960 97 Erfüller des Wanderruderwettbewerbs der DDR mit 83.358 km Ruderleistung). Der Verein wird 1973 in BSG EAW Treptow umbenannt. In den siebziger Jahren wurden zahlreiche DDR-Meisterschaften errudert. Die BSG Motor Treptow wurde Talentlieferant des Sportclub Dynamo Berlin. Aufgrund der sehr guten Nachwuchsarbeit wurde in der BSG in den 70′er Jahren ein Trainingszentrum für die Kinder- und Jugendruderei eingerichtet. In Baumschulenweg haben viele spätere Weltmeister und Olympiasieger ihre ruderische Ausbildung erhalten. (u.a. Horst Bagdonat Weltmeister 1966, Uwe Dühring Olympiasieger 1980, Jutta Hampe-Behrend Skiff-Olympiasiegerin 1988)

Wieder ein Neuanfang (1990 bis heute)

Mit der politischen Wende in der DDR endet die starke finanzielle Förderung des Rudersports. Der Trägerbetrieb EAW Treptow stellt die Förderung ein. Das Trainingszentrum im EAW Treptow bricht im Frühjahr 1990 zusammen und Talente setzen in anderen Vereinen ihre Kariere fort (u.a. Stefan Heinze, Vizeweltmeister 1998 mit dem Deutschlandachter).

Im Jahr 1991 gründet sich die Treptower Rudergemeinschaft aus dem Mitgliederbestand der ehemaligen BSG EAW neu. In den Neunziger Jahren rückt der Breitensport in den Vordergrund, während im Rennrudern kleinere Brötchen gebacken werden. Neben dem Freizeitrudern werden umfangreiche Wanderfahrten in Polen, Tschechien, Dänemark, Norwegen, Frankreich, Finnland, Schweden, England und Russland in diesen Jahren unternommen. Auch im Rennrudern geht es nach der Jahrtausendwende wieder aufwärts. Peter Nedwig und Torsten Siebert erringen u.a. bei der Deutschen Meisterschaft 2003 im Männer Doppelvierer die Bronzemedallie.

Sina bei den Weltmeisterschaften 2011 im Slowenischen Bled

Bei den Weltmeisterschaften 2011 im Slowenischen Bled belegte unsere Sina Burmeister im leichten Doppelvierer der Frauen gemeinsam mit ihren Partnerinnen Claudia Mack, Katja Rügner und Leonie Pless einen beachtlichen 5. Platz.

Wir danken an dieser Stelle allen Spendern und Sponsoren, die dazu beigetragen haben, dass der Start von Sina bei der WM finanziell möglich wurde.

Im Jahr 2013 hat die Treptower Rudergemeinschaft eine neue Vereinsseite erhalten. Die alte Vereinsseite samt Inhalte existiert weiterhin und kann hier abgerufen werden.

3 Antworten auf Vereinsgeschichte

  1. Edda hewig sagt:

    Ich habe von meinem Vater ( geb. November 1903,gest.31.12.59)
    Einen Biertipfel von 1928 mit der Bezeichnung BRCF gefunden
    Weiß -rot-weiß mit Wappen
    Würde gern wissen.
    ,ob er zu Ihrem Verein gehörte.
    Guten Rutsch
    Edda Hewig

  2. Dieter Totz sagt:

    Guten Tag.
    In meinem Besitz befindet sich ein gläserner Bierkrug mit Deckel.
    Der Deckel ist auf der Innenseite graviert
    “Dem fleißigsten Ruderer des Jahres 1895.
    Der Ruder-Club Berolina
    Besteht Ihrerseits Interesse an dem Stück??
    Und was würde ich dafür bekommen??
    MfG Dieter Totz

  3. george-timke jutta sagt:

    sehr geehrte damen und herren- ich habe einen bierseidel wahrscheinlich vom hansa-union-ruderclub vom 6.12.1907.aufschrift- zum andenken an feucht-fröhliche ruderfahrten mit den namen m. po…..,w.ba…..,e.be……..,und a.be……- besteht interresse an diesem krug? mit besten grüssen juttag
    der krug war im besitz meines vaters

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