Na, Lust zur Abwechslung mal auf der Straße und vorwärts zu rudern?

Jeder der rudert, weiß, dass es ein sehr schöner Sport ist. Was macht ihn aus? Die Rudergemeinschaft, das Wasser, die Fortbewegung, der Wettkampfgedanke, der Ehrgeiz bei der Jahreskilometerauswertung, das an der frischen Luft sein, etwas für den eigenen Körper tun oder schlicht die Freude am Rudern – je nach persönlicher Neigung werden bei jedem Ruderer die Gründe variieren. Für jemanden, der die Ruderbewegung und das Ganzkörpertraining schätzt, aber bspw. aus beruflichen Gründen nur wenig seinem Sport nachkommen kann, dem sei der nachfolgende, kurze Erfahrungsbericht zum Ruderfahrrad “ROWCYCLE” nahe gelegt.

Der Verein TiB 1848 e. V. Rudern hat Kontakt zu den Machern von ROWCYCLE aufgenommen, um Mitgliedern der Berliner Rudervereine die Möglichkeit zu geben, deren gleichnamiges Produkt, ein selbst entwickeltes Ruderfahrrad kennenzulernen und es ausprobieren zu können. Am Sonntag, den 18.06.2017 war es dann so weit. Zwei ROWCYCLE standen am Eingangsbereich des Rudervereins für eine kurze Probefahrt bereit.

Zugegeben, der erste Anblick überraschte. Es sah mehr aus wie ein Ruderergometer mit drei Rädern als ein Fahrrad. Das schwierigste für die meisten Teilnehmer war nicht die Ruderbewegung sondern das Losfahren. Die Nutzung der Klickpedale stellte dabei die erste Hürde dar. Dank kurzer Einweisung und fachkundiger Unterstützung gelang dies jedoch nach kurzer Zeit. Anders als man es mit drei Rädern vermuten würde, muss auf dem Rad – ähnlich einem Zweirad – balanciert werden. Der Mechanismus ist nötig, damit das Lenken statt per Lenker per Gewichtsverlagerung erfolgen kann. Dies in Kombination mit den Klickpedalen stellt Ungeübte vor eine Herausforderung. Um nicht hilflos und unter dem Gelächter der Umstehenden seitlich mit eingeklickten Pedalen umzufallen, musste beim Starten bzw. beim Bremsen rechtzeitig ein Fuß zur Stabilisierung zur Verfügung stehen. Das die Stabilisierung durch Henrik von ROWCYCLE geholfen hat, merkte man, als man es nach geglücktem Start und den erster Metern Rudern selbst versuchte. Aber aller Anfang ist schwer und fürs erste Mal hat es dann doch erstaunlich gut funktioniert.

Das Gefühl der Fortbewegung mit dem Gefährt kommt dem Rudern sehr nahe. Auch wenn es sich bei der Probefahrt nur um einen fünf bis zehnminütigen Ausflug eine wenig befahrene Straße vor dem Ruderverein hoch und wieder runter handelte, war es eine tolle Erfahrung. Die Bewegung entspricht 1:1 der des Ruderns – Rücken gerade, Beine durchdrücken und etwas zeitversetzt die Arme mit ranziehen und anschließend auf dem Rollsitz wieder nach hinten rollen. Einziger (erfreulicher) Unterschied: Man fährt vorwärts :) . Hinzu kommt die (Not-)Bremsmöglichkeit per linkem Fuß sowie die Brems- und Schaltmöglichkeit (8-Gang Alfine Nabenschaltung) über einen Fahrradgriff unter dem Rollsitz. Die Schreibenbremsen verbunden mit dem tiefen Schwerpunkt ermöglichten ein sehr schnelles Abbremsen des nur 20 kg schweren Aluminium Sportgeräts. Die Nabenschaltung spielte an der Stelle ihre Karten aus, wo man im Ruderboot nur noch mit einer höheren Ruderfrequenz noch schneller werden kann. Ein kurzer Griff unter den Sitz und der Widerstand erhöhte sich. Die Geschwindigkeit nahm merklich zu. Wie schnell die Tester auf den Ruderfahrrädern unterwegs waren, kann ohne angebrachten Tacho leider nicht gesagt werden. Aufgrund der Länge könnte man meinen, dass man im Stadtverkehr damit nicht wendig genug unterwegs sein kann. Dies würde ich so nicht bestätigen wollen. Etwas Mut und die richtige Geschwindigkeit vorausgesetzt lassen sich erstaunliche enge Wendemanöver fahren. Henrik konnte mit der zur Verfügung stehenden Breite der Straße eine volle Wendung fahren.

Kommen wir zu den Nachteilen. Für mich gibt es da eigentlich nur Kleinigkeiten am Sportgerät, die man ggf. noch optimieren könnte und – leider – den Preis. Ich denke es leuchtet jedem ein, dass ein in Kleinserie produziertes Gefährt keinen Baumarkt-Fahrrad-Preis haben kann. Zudem wurden durchweg hochwertige Komponenten verbaut. Diese an einem normalen Fahrrad verbaut und in Masse hergestellt, würde dessen Preis schnell über 1.000 EUR steigen lassen. Das sich komplett auf die eigenen Bedürfnisse konfigurierbare Ruderrad wartet mit 4.380 EUR auf. Sicherlich ist es sein Geld wert, aber mit ähnlicher Gewissheit ist es für die Meisten kein Betrag, der am Monatsende übrig bleibt und den man bedenkenlos für ein Zweitrad (die meisten besitzen vermutlich bereits ein Fahrrad) ausgibt. Dennoch, verglichen mit den Preisen für ein Rennruderboot, Liegerädern und hochwertigen Fahrrädern ist dieser aus meiner Sicht fair. Im Moment zumindest werde ich mir ein solches Rad jedoch leider nicht leisten können, auch wenn die Probefahrt Lust auf mehr gemacht hat.

Vielen Dank an TiB und Henrik von ROWCYCLE für die tolle Erfahrung!

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